Reisebericht Bachforellen an Kharlovka und Litza auf der Kola Halbinsel, Juli 2018

Ende Juli 2018 war es endlich wieder soweit: erstmals in neuer Rolle als Gruppenleiter durfte ich Benjamin, Joel, Kevin, Robin und Sascha aus dem schweizerischen Wallis sowie Uwe und Renée aus dem Großraum Stuttgart als Teil einer zweiten Gruppe in die russische Tundra jenseits des Polarkreises begleiten. Im Gegensatz zu den Vorjahren stand unsere Reise auf die Kola-Halbinsel unter dem Einfluß des heißen Rekordsommers 2018 mit Temperaturen von bis über 30°C während der langen Polartage.

 

Baden im Homepool

 

Bei diesen „low water conditions“ und im Hinblick auf Wassertemperaturen bis zu 23°C sogar in den nordischen Flüssen mussten wir auf den eigentlich vorgesehenen Helikoptertransfer in der Mitte unserer Angelwoche verzichten, da die irregulären Bedingungen ein verantwortungsvolles Fischen zumindest an der kleineren Litza unmöglich machten. Stattdessen befischten wir eine komplette Woche den Beat „Oset“ an der Kharlovka. Wir versuchten den Befischungsdruck in dieser Woche zu reduzieren indem wir auf der befischten Strecke tageweise rotierten und uns zudem jeden zweiten Tag auf den schweißtreibenden Marsch flussaufwärts zum nächsten Beat „Dream Kharlovka“ begaben. Erleichtert wurde uns der Weg über Stock und Stein der Tundra-Wildnis durch die immer wieder neben den zahllosen Rentierpfaden verlockenden, köstlichen Moltebeeren (Rubus chamaemorus) und Blaubeeren, die unter dem Einfluss der warmen Witterung ihrer Vegetationszeit voraus waren. Mit einer wahren Geschmacksexplosion im verdörrten Rachen des erschöpften Wanderers ließen sich wieder ungeahnte Energiereserven mobilisieren.

 

Moltebeeren

 

Bärenspur

 

Fischereilich hatten wir harte Arbeit zu verrichten, denn auch an den Traumgewässern der Kola-Halbinsel stellt sich der Erfolg nur mit einer effektiven Taktik und mit Fleiß ein. In Oset waren die klassischen „hotspots“ der Forellen durch die bereits weit aufgestiegenen Lachse besetzt. Wir fanden unsere Zielfische dann dennoch in den Strömungstaschen der sauerstoffreicheren, schnellen Passagen. In der Regel waren trocken gefischte Muster entweder als Attractor-flies, wie die „Allzweckwaffe“ Tschernobyl-Ant mit rubber legs (bis zu Hakengröße 6), aber auch natürlichere Köcherfliegenimitationen, wie die CDC-Caddis, oder Puppen-Muster im Oberflächenfilm, wie die Superpupa und die Dyret, erfolgreich. Die fischereilich versierten Schweizer Kollegen fischten streckenweise auch alternativ mit Nymphen und Streamern mit gutem Erfolg. Schlussendlich bleibt aber der majestetisch-gelassene oder auch mal wilde Biss einer großen Kola-Browntrout auf die Trockenfliege so eindrucksvoll, daß die klassische Trockenfliegenfischerei, vorwiegend in „dead drift“, absolut im Vordergrund steht. Leider erlebten wir in unserer Woche keine der legendären Caddis- oder Eintagsfliegen-Schlüpfe, so daß wir auch keine steigenden Fische gezielt anwerfen konnten. Angesagt war stattdessen das strukturierte Abfischen der heißen Zonen auf Verdacht. Am Beat „Dream-Kharlovka“ gelang es auf diese Weise aber erfreulicherweise doch in ganz klassischer „Kola-Manier“ die makellosen und bildschönen Forellen in den „V`s“ der Poolausläufe zum Steigen zu animieren. Es folgten atemberaubende Drills bevor die Fische letztlich getreu der ASR-Philosophie, nach zum Glück meist nur kurzer Regenerationsphase, behutsam releast wurden. Schlussendlich gelang es uns in den 6 Fischtagen 55 Forellen über 1kg zu landen. Die zwei größten Fische hatten jeweils 3 kg (Länge etwa 65-70cm). Weitere kapitale Fische wurden zwischen 2 und 3 kg gefangen.

 

Kola Bachforelle

Christoph mit Großforelle

Eine schöner als die andere…

 

Auf die oben bereits zitierte Tschernobyl Ant bissen außer den goldbäuchigen Browntrouts auch immer wieder einzelne suizidale Exemplare der ausgehungerten Tundrahechte und vor allem auch die Lachse. Insbesondere in den zwei großen Pools über unserem Homepool waren die großen Salmoniden immer wieder an der Oberfläche zu sehen. Dort gelang es dann tatsächlich die Lachse ans Band zu bekommen. Dabei verliefen unsere ersten gezielten Befischungsversuche sowie die im Verlauf immer wieder unverhofften Kontakte bei der Forellenpirsch meistens sehr einseitig und ließen jeweils enttäuschte Fischer zurück. Gefangen im akuten Adrenalinrausch bzw. eher im leider unmittelbar folgenden kalten Entzug bei zerfetztem Vorfach, aufgebogenem Hakenbogen oder mit offensichtlich unterdimensioniertem Kescher und verunglücktem Landungsversuch. Nichtsdestotrotz gelang es uns einige Grilse aber auch kapitale Lachse zu fangen. Am denkwürdigen Abend des ersten vollen Angeltages rang Benjamin einen 7,5 kg/90cm Muskelbarren am 0,22 Vorfach im Pool nieder. Nur 10 Minuten später wurde er von Joel „übertrumpft“, als dieser am wohlwissentlich kräftigerem 8er Gerät mit 0,30 Vorfach einen 9,5kg/102cm messenden Prachtmilchner ausdrillte. Den Fisch in den Armen haltend konnte Joel sein Glück kaum fassen. Unsere gesamte Gruppe konnte den Fang dieses „Lebensfisches“ live, sozusagen wie auf breiter Kinoleinwand, verfolgen. Wären da nicht ein paar Hundert der lästigen Sandflies und Moskitos vor Ort gewesen, so hätte man sich auch im Kinosaal beim RISE Flyfishing Film-Festival wähnen können.

 

Joel mit Großlachs

 

Igor, unser russischer Küchenchef und Begleiter, hatte dem heißen Wetter zu Trotz Berge von Fleisch in der Kühlung und zauberte uns immer wieder köstliche Gulaschs und Geschnetzeltes, um die geplünderten Energiedepots wieder aufzufüllen. Das Frühstück bot mit Porridge sowie Bacon and Eggs ausreichend Kalorien um über den Tag zu kommen und wurde mit neben dem Zelt gepflücktem, wildem Schnittlauch abgerundet. Der rascher als gedacht erschöpfte Wasservorrat wurde durch einen Versorgungsflug von der Kharlovka-Lodge aufgefüllt. Festlich begangen wurde in der Tundra der schweizerische Nationalfeiertag am 1.8 .2018 vor der am Zelt gehissten Walliser Flagge. Neben der Fischerei kam das freundschaftliche Gruppenerlebnis nicht zu kurz. Im gemeinschaftlichen Zelt wurde in den Schwaden der Mückenspiralen diskutiert, Fliegen gebunden und Pläne geschmiedet. Ganz punktuell wurde das Wohlbefinden durch den russischen Vodka in ungeahnte Ausnahmezustände gesteigert (einige Mitstreiter waren froh als sie am frühen Morgen das eigene Zelt gefunden hatten und haben dieses dann so schnell nicht wieder verlassen – obwohl die Sonneneinstrahlung das Schlafen im Tunnelzelt meist schon in den frühen Morgenstunden unmöglich machte). Abkühlung verschaffte man sich im Tagesverlauf am Besten durch ein beherztes Bad im Fluss, wobei danach beim Anziehen ein zügiges und strukturiertes Vorgehen notwendig war, wenn nicht ein kräftigerer Wind die Stechgeister vom gnadenlosen Beutezug abhalten konnte. Benjamin und Sascha machten schließlich aus der Not eine Tugend und führten den „New Zealand-wet-wading-style“ auch in der russischen Tundra ein.

 

Ben und Sascha vor der „wet wading“- expedition.

 

Am letzten Morgen haben uns verfrüht von der Küste ins Landesinnere ziehende Rentiere beim Zusammenpacken und beim Camp-Abbau begleitet. Von den Braunbären des Nordens hatten wir nur frische Spuren und Lager gefunden, ohne sie zu Gesicht zu bekommen. Die anhaltenden Kamikaze-Flugmanöver der von uns irritierten Seeschwalben, deren Gelege wir zwischen Oset und Dream wohl zu nahe kamen, hatten wir glücklich überstanden. Der Helikopter-pickup war, wie der gesamte organisatorische Ablauf in diesem Jahr ohne jede Komplikation oder zeitliche Verzögerung. Das gesamte ASR-Team hat wieder bewiesen, daß der großartige Service und die Organisation auf der Kola-Halbinsel Standards setzen.

 

Rentiere an der Kharlovka

 

Rentiere um das Camp und Seeschwalbe im Sturzflug.

 

Die Betreuung durch pukka destinations und Carsten Dogs im Vorfeld der Reise und als Back-Up während des Trips war in gewohnter Weise absolute Spitzenklasse. Ich bin sehr dankbar, in Vertretung für Carsten meinen kleinen Teil zu dieser perfekten Reise beigetragen zu haben.

So sind wir nun in heimische Gefilde zurückgekehrt. Der Tundra-Traum bestehend aus Ruhe, dem so kostbaren direkten Kontakt zur wilden Natur und den berauschenden fischereilichen Erlebnissen wird uns im Alltag hoffentlich lange begleiten und vermutlich den einen oder anderen später wieder an die Ufer der Flüsse der Kola Halbinsel führen.

 

Wilde und schöne Kharlovka

 

Gruppenbild am Rynda-Kreuz

 

Gruppenbild mit Koch und Gruppenleiter 🐟

 

 

HERZLICHEN DANK AN CHRISTOPH FÜR DIESEN AUSFÜHRLICHEN BERICHT. WER AUCH EINMAL DIE BESTE BACHFORELLENFISCHEREI DER WELT ERLEBEN WILL, MELDE SICH SCHNELL. DIE PLÄTZE SIND SEHR BEGRENZT UND IN DER REGEL SCHNELL AUSGEBUCHT 🙂
Der genaue Reisetermin 2019 wird demnächst hier bekannt gegeben.

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