Kundenbericht Schwedisch Lappland Ende Juni 2022


Schwedisch Lappland – mit dem Helikopter ins Äschenparadies

Schnell wurde uns klar, weshalb die Tankstelle im Zentrums Kirunas die Essensempfehlung am ersten Abend unseres Abenteuers in der schwedischen Natur war. Die Gastgeber des mittlerweile international bekannten „Stejk“ Foodtrucks sind nämlich genauso herzlich und originell wie das Tipi-Zelt, in dem sie wahlweise Elch oder Rentier aus lokaler Produktion und Jagd servieren. Die Aufforderung „we don’t have WiFi – talk to each other“ stimmte uns zudem perfekt ein auf die kommenden fünf Tage in der unberührten Wildnis Lapplands. Kein Smartphone, kein Internet. Nur zwei Freunde in einem Zelt und hoffentlich viel Fisch am Band. Der Auftakt verlief schon einmal nach Maß.

Am nächsten Morgen starteten wir von der Lodge, die liebevoll aus einer alten Sami-Kunsthandwerkstatt umgestaltet wurde. Wir nahmen unsere Campingausrüstung sowie das Notfall-Satellitentelefon in Empfang und packten Proviant und Fliegenruten ein. Dann stiegen wir in unseren Helikopter, der uns knapp 40 km über endlose Birkenwälder schweben ließ. Die Aussicht atemberaubend, immer wieder tauchten kleine und größere Seen und Flüsse auf. So hatten wir uns die Landschaft vorgestellt, als wir mit pukka destinations unsere Tour zusammenstellten. Den Landeanflug nutzen wir zur ersten Erkundung unseres Revieres, und wohin wir schauten: vielversprechende Strukturen im Wasser, nur einen Fliegenwurf vom Landeplatz entfernt. Dementsprechend schnell bauten wir das Zelt auf.

Ende Juni gibt es in Schweden keine Sonnengarantie, 12 Grad Tagestemperatur bei wechselhaftem Wetter hält aber wenigstens die Mücken fern. Wir hofften daher mit grauen Nymphen an unserem 18er Vorfach die richtige Wahl getroffen zu haben, um erfolgreich den Äschen nachzustellen. Den Weg ans Wasser und entlang des Flusses hatten Elche und Rentiere freundlicherweise bereits freigeräumt. Doch obwohl Elche in Nordschweden deutlich größer werden als im Süden, blieben diese Trampelpfade samt Dung der einzige Hinweis auf ihr Vorkommen, kein Elch ließ sich in den kommenden Tagen blicken.  

Dafür dauerte es nicht lange, bis sich erstmals die Rute kräftig durchbog. Der erste Fisch nach wenigen Minuten schien vielversprechend. Nach tollem Drill landete die erste Äsche im Kescher und setzte gleich Maßstäbe. 51 cm. Ein wunderschöner Fisch in wunderschöner Umgebung. Der Reiz des Fliegenfischens in seiner schönsten Form. Nach wenigen weiteren Minuten eine 43er Äsche. Auch sie landete zunächst im Kescher und abends dann auf dem Grill. Das zur Sicherheit gekaufte Grillfleisch wurde sehr schnell zum Tagesproviant degradiert, denn auch die nächsten Tage blieb der Fangerfolg hoch.

Dazu mussten wir keine langen und beschwerlichen Wanderungen durch die dichte Natur unternehmen. Einige Kilometer flussauf und flussab boten sich zahlreiche abwechslungsreiche Stellen. Tiefe Gumpen, Auswaschungen, Strömungskanten, seenartige Flussaufweitungen. Wir fischten mit Nymphen, mit Trockenfliegen, mit Wurm- und Heuschreckenimitaten. Und immer wieder erlebten wir spannende Drills mit kampfstarken Fischen. Einigen gelang die Flucht. Doch was schnell als der entgangene Fang des Lebens beweint werden könnte, ließ uns beim Blick in die Natur milde stimmen. Zu selten sind derart schöne Gewässer mit solchen natürlichen Fischbeständen geworden.

Nach fünf Tagen durchbrach in der Ferne das charakteristische Geräusch sich drehender Rotorblätter die Stille. Der Helikopter schwebte heran und brachte uns zur vereinbarten Zeit zurück zur Lodge und in die Zivilisation, wo die warme Dusche und der Saunagang ein wahrer Genuss waren. Für das abschließende Abendessen wünschten wir uns nach den erfolgreichen Fangtagen dann doch eine Abwechslung auf dem Teller; und so endete es, wie es begonnen hatte. Im Tipi-Zelt von Stejk, auf der Tankstelle im Zentrum von Kiruna. Diesmal jedoch mit schönen Erinnerungen und der Gewissheit, nicht zum letzten Mal in die Weite Nordschwedens entschwebt zu sein.

Hendrik